05 Löwenstein-Haus, Freudenstädter Str. 22

Haus Löwenstein
House Löwenstein
Das einzige Haus in Rexingen, an dessen rechten Türpfosten noch die Aushöhlung für die Mesusa-Kapsel zu sehen ist. Diese Kapsel, in der
sich das auf Pergament geschriebene wichtigste Gebet der Juden, das „Schma Israel“ (Höre Israel, G’tt ist ein Einziger), befindet, war an
allen Häusern angebracht, in denen Juden wohnten. Der Ursprung für diese Tradition liegt im 5. Buch Mose 6,9 und 11,20: „Du sollst [diese
Worte] auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Stadttore schreiben.“ Beim Eintreten und Verlassen des Hauses berühren Bewohner und Besucher des Hauses die Mesusa mit den Fingerspitzen und erinnern sich damit an die Liebe Gottes und an ihre Pflicht, seine Gebote zu
erfüllen. Über der Haustür kann man noch hebräische Zeichen erkennen, die sich wohl auf Besitzer und Baujahr beziehen.
Die Eigentümer des Hauses waren von 1814 bis zum Notverkauf 1939 fünf Generationen aus der Viehhändler-Familie Löwenstein.
This is the only building in Rexingen where you can see the cavity for the Mesusa capsule “Mesusa-Kapsel” at the right door jamb. Attached to buildings inhabited by Jews, this capsule contained the most important prayer of the Jews, the “Schma Israel” (listen Israel, there’s only one God), written on parchment. The origin for this tradition originally came from book number 5 of Mose 6,9 and 11,20: “you shall write (these words) on the door jambs of your building and your town gates.” By entering or leaving the building, inhabitants and visitors touch the Mesusa with their fingertips, thereby remembering God’s love and their obligations to fulfill his commandments. Above the front door you can still recognize Hebrew characters probably referring to the owner and the year of construction. The cattle trading familiy Löwenstein owned this building over 5 generations from 1814 to the distress sale in 1939.

Im fünften Buch Mose, im 6. Kapitel steht geschrieben: „Höre Israel, Gott ist ein Einziger. Gelobt sei der Name der Herrlichkeit Seines Reiches für immer und ewig.

 Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft. Diese Worte, die Ich dir heute befehle, seien in deinem Herzen, schärfe sie deinen Kindern ein und sprich davon, wenn du in deinem Haus sitzest, und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst. Binde sie zum Zeichen an deine Hand, sie seien zum Stirnschmuck zwischen deinen Augen. Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Tore.“Auf diese Stelle in der Tora ist die Tradition mit der Mesusa-Kapsel zurückzuführen. Beim Eintreten und Verlassen des Hauses berühren Bewohner und Besucher die Mesusa mit den Fingerspitzen und erinnern sich damit an die Liebe Gottes und an ihre Pflicht, seine Gebote zu erfüllen. Die Eigentümer des Hauses waren von 1814 bis zum Notverkauf 1939 fünf Generationen der Viehhändler-Familie Löwenstein.

Der letzte Besitzer, Leopold Löwenstein, floh 1938 mit seiner Frau und seinen vier Kindern in die USA. Von ihm sind noch Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg erhalten. Im Dezember 1914 war er als Landsturmmann in Belgien stationiert und schrieb an den Bürgermeister Josef Kinkele in Rexingen:„Geehrter Herr Schultheiß nebst Familie!Mit diesem zeige Ihnen den richtigen Empfang der mir zugesandten Pakete mit Inhalt an. Womit mich sehr freute, so dass das Gemeindekollegium seiner Krieger in der Ferne im Feindesland gedenkt. Noch mehr freuten mich Ihre lieben Worte, die Sie an mich richten, weil dieselben so innig und so wahr sind, besten Dank für Ihre gut gemeinten Wünsche. Hoffentlich befinden Sie sich mit Ihren werten Angehörigen gesund.Werter Herr Schultheiß, frage bei Ihnen freundlichst an, wie es Ihren lieben Söhnen welche in der Front für das theure Vaterland stehen, geht. Hoffentlich gut, bitte schreiben Sie mir herzlichste Grüße an dieselben. Wünsche Ihnen, dass sie gesund und siegreich und munter in die Heimat zurückkehren dürfen. Mir geht es gut, bin gesund und munter und konnte trotz Strapazen und Entbehrungen meinen Dienst, welcher von großer Wichtigkeit ist, bis heute gut versehen. Danke dem lieben Gott, der mir bis jetzt die Kraft verliehen hat, für das große Ganze Dienste leisten zu können. Es ist freilich schwer, wenn man so weit von seinen Lieben im Feindesland ist. Den Ausgang von der Heimat wussten wir, der Eingang ist eine Frage der Zeit. Mut und Vertrauen zum lieben Gott machen die Sache erträglich. Sind Sie, werter Herr Schultheiß und werte Familie recht herzlich gegrüßt von Ihrem Leopold Löwenstein.“

Auf dem ältesten erhaltenen Schulfoto der jüdischen Schule in Rexingen konnte Heinrich Löwenstein identifiziert werden, der Bruder von Leopold Löwenstein. Er wurde 1881 in diesem Haus geboren. Er lebte später in Konstanz und emigrierte 1940 nach Buenos Aires. Er ist der Junge in der oberen Reihe, 3. von links.
Abschrift der Geburtsurkunde von Heinrich Löwenstein aus der Nazizeit. Alle jüdischen Männer wurden zum Zusatznamen “Israel” gezwungen, die Frauen mussten “Sara” hinter ihren Vornamen setzen.

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